JIU-JITSU

Budoclub Taifun Büderich e.V.

Was ist Jiu-Jitsu?

Jiu Jitsu („Die sanfte/nachgebende Kunst“) ist eine von den japanischen Samurai stammende Kampfkunst der waffenlosen Selbstverteidigung.

Jiu Jitsu kann unabhängig vom Alter und Geschlecht trainiert werden und bietet ein breites Spektrum von Möglichkeiten zur Selbstverteidigung und – unter anderem durch Stärkung des Charakters und Selbstbewusstseins – auch zur friedlichen Lösung von Konflikten.

Jiu Jitsu wurde von Samurai praktiziert, um bei einem Verlust oder Verbot der Hauptwaffen (japanisches Schwert (Katana), Speer, Schwertlanze, Bogen) waffenlos oder mit Zweitwaffen weiterkämpfen zu können. Es wurde zunächst als geheime Kunst nur innerhalb des Adels weitergegeben, im Laufe der Zeit wurde es aber auch von nichtadligen Japanern ausgeübt.

Ziel des Jiu Jitsu ist es, einen Angreifer – ungeachtet dessen, ob er bewaffnet ist oder nicht – möglichst effizient unschädlich zu machen. Dies kann durch Schlag-, Tritt-, Stoß-, Wurf-, Hebel- und Würgetechniken geschehen, indem der Angreifer unter Kontrolle gebracht oder kampfunfähig gemacht wird.

Dabei soll beim Jiu Jitsu nicht Kraft gegen Kraft aufgewendet werden, sondern – nach dem Prinzip:

„Siegen durch Nachgeben“

– so viel wie möglich der Kraft des Angreifers gegen ihn selbst verwendet werden.

Begriffserklärung

Jiu Jitsu wird in der japanischen Schrift durch die zwei sino-japanische Schriftzeichen (Kanji) geschrieben.

Das obere Schriftzeichen bedeutet „weich, sanft, flexibel, nachgiebig” und das untere Schriftzeichen „Technik, Kunst”.

Zusammengesetzt bedeutet Jiu Jitsu also (im kampfkunstbezogenen Kontext) „flexible Kunst“, wobei gemeint ist, dass man seine Kampfstrategie abhängig vom Gegner fließend zu wechseln vermag. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die japanischen Schriftzeichen ins lateinische Alphabet zu übertragen (Transkriptionen).

Nach dem am häufigsten verwendeten Hepburn-System wird [Kanji oben] als Ju und [Kanji unten] als Jutsu transkribiert, zusammengesetzt also Jujutsu, gebräuchlicher ist jedoch international die Schreibung Ju Jitsu und in Deutschland Jiu Jitsu.

Vereinzelt findet sich auch die veraltete deutsche Schreibweise Dschiu Dschitsu. Bisweilen werden in verschiedenen Ländern und ihren Verbänden leicht veränderte Transkriptionen verwendet, teilweise für abgewandelte Systeme (beispielsweise das deutsche Ju Jutsu).

Das Jiu Jitsu trug früher verschiedene andere Namen. Am gebräuchlichsten waren Jiu Jitsu und Yawara, jedoch wurden auch die Namen [Ju] Tai Jutsu, Kempo, Hakuda, Aiki [Ju] Jutsu, Kogusoku, Koshi no Mawari, Kumi Uchi, Torite oder Shubaku für die Kampfkunst verwendet.

Prinzip und Technik

Die geistig-philosophische Seite, wie beispielsweise der Verhaltenskodex Bushido, ist genau so Teil des Jiu Jitsu, wie die verschiedenen (Kampf-) Techniken. Ebenso gehen traditionelle Elemente wie die Verbeugung am Anfang und das Üben der Katas Hand in Hand mit fortschrittlicheren Elementen, wie zum Beispiel die Gürtelgrade (Kyu und Dan).

Innerhalb des Systems Jiu Jitsu erlernt ein Schüler zunächst die Grundschule (jap. Kihon), bestehend aus Schlag-, Stoß-, Tritt- und Beintechniken, sowie die Fallschule (Ukemi) als Voraussetzung für ein verletzungsarmes Training.

Weiter wird die Anwendung von Würfen, Hebeln und Festlegetechniken sowie waffenlose Verteidigungstechniken gegen Angriffe gegen die eigene Person und auch gegen Dritte (wie beispielsweise gegen Würgen, Handgelenk- und Kragenfassen, Schlag-, Tritt- und Waffenangriffe) und Bodenkampf unterrichtet.

Auch die allgemeine Fitness wird durch das sich steigernde Übungstempo aufgrund der stetigen Erfahrungen gefördert.

Entstehung in Japan

Wie in vielen der asiatischen Kampfkünste ist die genaue Herkunft des Jiu Jitsu heute kaum mehr eindeutig feststellbar. Dies liegt zum einen daran, dass es in der Vergangenheit nur wenige gedruckte Bücher über die Kunst gab und dass die handgeschriebenen Manuskripte der verschiedenen Schulen einander widersprechen und von Mythen durchsetzt sind.

Die Gründungsgeschichten der verschiedenen Schulen scheinen davon geprägt zu sein, dass sie Jiu Jitsu auf möglichst legendäre Wurzeln zurückführen.

In einem der Entstehungsmythen wird das Grundprinzip des Jiu Jitsu „Nachgeben, um zu siegen“ besonders deutlich. Darin heißt es, dass Akiyama Shirobei Yoshitoki (ein im 16. Jahrhundert in Nagasaki lebender Arzt) auf seiner Studienreise durch China in Klöstern neben medizinischem Wissen auch Unterricht im waffenlosen Nahkampf (chinesisch báida, jap. Hakuda) erhielt.

Dabei stellte er die körperliche Stärke als Voraussetzung zur Ausführung der Techniken fest. Zurück in Japan, unterrichtete Akiyama das aus China mitgebrachte Hakuda, doch viele seiner Lehrlinge wandten sich von diesem kraftbetonten System ab.

Eines Winters beobachtete Akiyama, wie die massiven, jedoch starren Äste einer Kiefer unter der Last herunterkommender Schneemassen brachen, während sich die dünnen Äste einer daneben stehenden Weide unter der Last des Schnees so lange herunterbogen, bis der Schnee abglitt, um sich dann unversehrt wieder aufzurichten.

Inspiriert von dieser Beobachtung, gründete er die erste Schule der „Kunst der Nachgiebigkeit“ und nannte sie Yoshin-Ryu (Weiden-Schule).

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